Präventionswissen kompakt
Arbeitskreis Leben
Definition Krise
Eine Krise bezeichnet den Verlust des seelischen Gleichgewichts, den ein Mensch verspürt, wenn er mit Ereignissen und Lebensumständen konfrontiert wird, die er im Augenblick nicht bewältigen kann, weil sie von Art und Ausmaß die Fähigkeiten und Hilfsmittel zum Erreichen von Lebenszielen oder Bewältigung einer Lebenssituation überfordern. (Sonneck, 1997)
Krisenarten
Lebensveränderungskrisen: treten im Verlauf jedes Lebens auf
z.B.: Schuleintritt, Auszug aus dem Elternhaus, Einstieg ins Berufsleben, Geburt eines Kindes, Wechsel oder Verlust des Arbeitsplatzes, Trennung, Umzug, Auszug der Kinder, Renteneintritt, Altern, … (Caplan, 1964; Sonneck, 2000)
Traumatische Krisen: treten plötzlich ein, massive Bedrohung der körperlichen Unversehrtheit und / oder der psychosozialen Identität des Betroffenen oder einer nahestehenden Person (Cullberg, 1978)
z.B.: Unfall, Naturkatastrophen, sexuelle Gewalt, plötzlicher Tod oder Suizid einer nahestehenden Person, Diagnosestellung schwerer Krankheiten, …
Definition Suizidalität
Suizidale Krisen können sowohl bei akuten traumatischen Krisen entstehen, als auch wenn die Verarbeitung einer Lebensveränderungskrise nicht gelingt
Sie sind häufig geprägt durch große Hoffnungslosigkeit, für die Betroffenen ist kein Ausweg mehr sichtbar, ihr Verhalten und Erleben wird eingeengt und Suizid erscheint als einziger Ausweg (Tunnelblick).
Suizidalität kann wie ein Spektrum verstanden werden: es reicht von ersten, leisen Zweifeln am Leben bis hin zu einem ausgereiften Plan, an dessen Ende die Suizidhandlung steht. Dazwischen gibt es viel – und es gibt auch viele Möglichkeiten aus der suizidalen Krise wieder herauszukommen. Hierbei unterstützen die Arbeitskreise Leben.
Krisen- und Suizidprävention- was wir vermitteln
Krisen gehören zum Leben: Jeder Mensch erlebt im Verlauf seines Lebens Krisen. Daher geht es bei der Beratungsarbeit der AKL nicht darum, Krisen zu verhindern, sondern Menschen darin zu unterstützen einen Umgang mit herausfordernden und teilweise überfordernd wirkenden Situationen zu finden und damit mögliche suizidale Verläufe von Krisen zu verhindern.
Grundsätze der AKL- Arbeit
Die AKL ermöglichen einen schnellen und unbürokratischen Zugang zu Hilfe und Beratung- Hilfesuchende bekommen bei den AKL innerhalb kurzer Zeit ein Erstgespräch zur Entlastung.
Hilfe darf nicht am Geld scheitern- die Beratungen sind kostenfrei, können jedoch mit einer Spende bedacht werden.
Jede Anfrage hat ihre Berechtigung- jede Person darf sich bei den AKL melden, im Gespräch wird gemeinsam geprüft, ob die AKL das passende Angebot sind. Ansonsten wird bei der Weitervermittlung unterstützt.
Die AKL arbeiten weltanschaulich und sind parteilich ungebunden.
Für alle haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden gilt die Verschwiegenheit.
Bedeutung von Suizidprävention
In Deutschland gibt es über 10.000 Suizide pro Jahr, das sind mehr als durch Verkehrsunfälle, Totschlag, illegale Drogen und AIDS zusammen. Im Jahr 2024 entfielen 1.336 der deutschlandweiten Suizide auf Baden-Württemberg. Wir fördern geeignete Maßnahmen zur Suizidprävention sowie zur Krisenintervention und Nachsorge nach Suizidhandlungen. Wir möchten dazu beitragen, das Thema Suizidalität in der Gesellschaft zu enttabuisieren damit mehr Menschen (Betroffene, Angehörige, Hinterbliebene) sich Hilfe holen.
Durch Schulungen, Vorträge und Workshops zu den Themen Krise und Suizidalität werden die Teilnehmenden zu Multiplikatoren und können damit ebenso Einfluss auf den Verlauf von Krisen in ihrem Umfeld nehmen.
Getreu dem Leitsatz: Reden kann Leben retten!